Modenschau auf Helgoland: Studierende interpretieren die Inseltracht neu

Wie das Projekt entstand

Ausgangspunkt war ein Besuch im Frühjahr 2025. Studierende des Modedesign-Studiengangs kamen unter Leitung von Professorin Martina Glomb ins Museum Helgoland, sahen sich die historischen Trachten an und sprachen mit Mitgliedern des Helgoländer Trachtenvereins. Aus dieser Begegnung entwickelte sich das Projekt, dessen Ergebnisse jetzt zurück auf die Insel kommen.

Einen der Studierenden ließ Helgoland nicht mehr los. Linus Koss, 24, aus Bad Bramstedt, reiste ein zweites Mal auf die Insel, arbeitete sich durch das Museumsarchiv und studierte rekonstruierte Trachten. Ein halbes Jahr lang unterstützte ihn das Museum Helgoland mit einem Stipendium. Die entstandene Kollektion ist zugleich seine Bachelor-Arbeit.

Wie er arbeitet, klingt weniger nach Modeatelier als nach Feldforschung: Er fotografiert die roten Felsen analog und überträgt ihre Struktur in seine Stoffe. Er sammelt Austern und Muscheln und verwendet sie als Bestickung. Und statt klassischer Schnittmuster kombiniert er Baumwollseile mit einem Zick-Zack-Stich zu Flächen. Nach seiner Beschreibung passt das zum maritimen Charakter und schafft Dreidimensionalität.

Was die Helgoländer Tracht erzählt

Um zu verstehen, woran sich die Studierenden abgearbeitet haben, lohnt ein Blick auf das Original. Die Helgoländer Tracht ist ab 1649 dokumentiert. Ihr Aussehen hat sich seither laufend verändert. Konstant blieb der rote Rock, „Paik" genannt, mit gelb-grünem Saum: Sein Stoff wird in sieben Falten gelegt, als Symbol für die sieben Weltmeere.

Dass die Trachten nie einheitlich aussahen, hat einen handfesten Grund: Auf der Insel wurde kein Stoff produziert. Die Männer brachten ihn von ihren Seefahrten mit, entsprechend unterschiedlich fielen Muster und Materialien aus. Eine Tracht war hier nie eine Uniform.

Besonders bezeichnend ist das „Hartje", eine silberne Herzbrosche, mit der das Tuch zusammengehalten wurde. Museumsleiterin Simone Arnhold beschreibt sie im Hamburger Abendblatt als Verlobungsgeschenk der Männer. Kleine Anhänger verrieten den Beruf des Verlobten: Ein Schiff, ein Lotsenzeichen oder ein Fisch. Und weil Verlobungszeiten drei bis vier Jahre dauern konnten, solange die Männer auf See waren, endeten sie nicht immer in einer Ehe. Ein geöffneter Riegel am Herz signalisierte, dass die Trägerin wieder frei war.

Ein Schmuckstück als Beziehungsstatus, dreihundert Jahre vor Facebook.

Die Zäsur kam mit dem Zweiten Weltkrieg. Bei der Bombardierung der Insel gingen große Teile der Trachtenbestände verloren. Erhaltene Originale finden sich heute unter anderem im Altonaer Museum in Hamburg. Die Helgoländerinnen und Helgoländer rekonstruierten ihre Trachten anschließend aus schriftlichen und mündlichen Überlieferungen und entwickelten sie dabei weiter.

Genau dieser Bruch interessierte Linus Koss: Er wollte die Erinnerungen und Umbrüche in seine Entwürfe einfließen lassen, sagte er dem Hamburger Abendblatt.

Drei Tage, drei Termine

Die Modenschau ist Teil eines ganzen Wochenendes rund um Kleidung, Handwerk und Inselgeschichte:

Freitag, 18. September
Modenschau auf der Landungsbrücke, zwei Durchgänge um 15 und 17 Uhr. Rund 50 bis 60 Outfits, präsentiert von Helgoländerinnen und Helgoländern.

Samstag, 19. September, ab 19 Uhr
Mode-Talk im Museum Helgoland mit Professorin Martina Glomb und einem Vertreter des Labels Rymhart. Glomb hat das USE-LESS Zentrum für nachhaltige Designstrategien gegründet, das zu neuen Materialien, lokalen Ressourcen, Upcycling und Slow Fashion arbeitet. 

Sonntag, 20. September
Landestrachtenfest Schleswig-Holstein auf Helgoland. Trachtenträgerinnen tanzen gemeinsam und zeigen die Vielfalt traditioneller Kleidung.

 

Anreise am 18. September

Der “HSC Halunder Jet” fährt an diesem Tag wie gewohnt ab Hamburg, Brunsbüttel und Cuxhaven. Die Ankunft auf Helgoland liegt in der Regel um die Mittagszeit, sodass sich der erste Durchgang um 15 Uhr gut mit einem Tagesausflug verbinden lässt. Wer beide Catwalks sehen oder am Mode-Talk im Museum teilnehmen möchte, plant am besten eine Übernachtung ein.

 

Jetzt Überfahrt buchen!

Buchen